3.6. Ton und Filmmusik


Ton

Beim Schneiden treten Probleme mit dem Ton meist zum ersten Mal zutage. Wenn Sie Glück haben, können Sie die Probleme durch Anpassung leicht beheben, und wenn Sie Pech haben, ist das Tonmaterial ganz und gar unbrauchbar, was dann natürlich Ihren Film ruinieren kann. Die Schnittsoftware bietet Ihnen eine ganze Reihe von Hilfsmitteln und Werkzeugen, mit denen Sie den Ton Ihres Films anpassen können. Wenn das aber mit sehr viel Arbeit verbunden ist, wird meist ein anderes Softwareprogramm dazu verwendet, das eigens für die Tonmanipulation konzipiert wurde. Ein gutes kostenloses Softwarepaket ist „Audacity".

Ton läuft – wie Video – auf einer Timeline, wird aber optisch meist durch Wellen dargestellt. Wenn die Welle ausschlägt, ist die Lautstärke hoch, und wenn sie sich absenkt, sinkt die Lautstärke ab.

 Sound and score

Ton wird von der kostenlosen Audacity-Software als Wellenlinie dargestellt

Es ist ganz normal, dass verschiedene Clips unterschiedliche Lautstärken und Geräuschkulissen haben. In der Regel ist es einfach, den Tonpegel der Clips so anzupassen, dass die Lautstärke während des Films gleich bleibt. Fernsehsender verlangen in der Regel, dass die Grenzwerte des Tonpegels bei -12 oder -14db liegen. Ich versuche sie aber häufig auf -6db zu legen, wenn der Film auf Computern oder Mobiltelefonen gespielt werden soll. Wenn Sie diesen Wert überschreiten, laufen Sie Gefahr, dass sich der Ton verzerrt.

Überblendungen und Filter

Wie schon beim Video gibt es auch beim Ton Überblendungen und Filter. So wie die normale Überblendung („cross dissolve“) beim Video einen Clip sanft in den nächsten übergehen lässt, tut das auch die Kreuzblende („cross fade“) beim Ton. Wenn sich also eine Szene in eine vollständig andere verwandelt, kann ein „Bruch“ der Tonspur angemessen sein, aber innerhalb einer Szene hilft die Kreuzblende dabei, die verschiedenen Tonclips wie eine einzige Aufnahme klingen zu lassen. Das „weiße Rauschen“, das Sie am Set aufgenommen haben, kann dabei auch dazu verwendet werden, um Lücken oder Sprünge in der Tonspur zu kaschieren.

Außerdem verfügen die meisten Schnittprogramme über eine Reihe von Tonfiltern, wie natürlich auch die Audioprogramme. Zu diesen Filtern gehören beispielsweise Dinge wie „hum removers“, die das Summen elektronischer Geräte und Klimaanlagen unterdrücken, und „de-essers“, die das zischende Geräusch minimieren, das oft beim Sprechen des Buchstabens „s“ entsteht. Spielen Sie wieder ein wenig mit diesen Filtern, um zu erfahren, wie sie wirken.

Toneffekte

Toneffekte können Sie verwenden, um die Tonqualität Ihres Films zu erhöhen. Viele Schnittsoftwarepakete haben Effektbibliotheken für den Ton, und auch im Internet können Sie kostenlose Effekte finden. Einige CutterInnen führen ein digitales Aufnahmegerät mit sich und machen sich einen Spaß daraus, Töne aufzunehmen, um ihre eigene Bibliothek zu ergänzen. In der Regel gehören zu Toneffektbibliotheken Geräusche, die durch Objekte oder Personen erzeugt werden: Menschenmengen, Straßenverkehr, Vögel, Bäche, fahrende und anhaltende Autos, Gewehrsalven und Türen, die geöffnet und geschlossen werden usw.

Filmmusik

Filmmusik ist eigentlich die musikalische Tonspur Ihres Films. Hier verwenden wir diesen Begriff jedoch, um sowohl die Originalmusik als auch die im Vorfeld aufgezeichnete Musik zu beschreiben. Die Kraft der Musik, Stimmungen und Emotionen hervorzurufen, kann gar nicht genug hervorgehoben werden. Wenn Sie sich nur einmal eine dramatische Szene mit abgedrehtem Ton anschauen, werden Sie feststellen, wie viel dabei verloren geht. Viele Schnittsoftwarepakete haben eine Bibliothek musikalischer Endlosschleifen, die Sie kostenlos verwenden können. Dabei sollten Sie aber bedenken, dass jeder, der mit dieser Software arbeitet, dieselben Endlosschleifen verwenden kann, so dass Sie ihnen wahrscheinlich auch in anderen Filmen begegnen werden. Sie können aber mit bestimmten Softwarepaketen, die Ihnen kurze Endlosschleifen von Instrumentenaufnahmen zur Verfügung stellen, Ihre eigene Musik komponieren, die dann „fast original“ ist.

Wenn Sie keine Musik aus verschiedenen Bibliotheken verwenden wollen, und wenn Sie auch keine eigene komponieren können oder wollen, müssen Sie die Originalmusik anderer verwenden. Idealer Weise finden Sie eine tolle Komponistin, die die Story Ihres Films liebt und bereit ist, Ihnen Filmmusik dafür zu schreiben. Das ist aber leider selten der Fall. Deswegen müssen Sie meistens nach Musik suchen, die es irgendwo schon gibt. Und hier gehen die Probleme erst richtig los. Musik ist meistens durch Urheberrechte geschützt. Wenn Sie also einen Song im Radio hören, werden Sie nach Recherchen oft feststellen, dass es drei Leute oder Organisationen gibt, die die Urheberrechte daran haben. Zuerst einmal gibt es da die Verlagsrechte. Das sind die Rechte, die jeder hat, der den ursprünglichen Song besitzt. Das kann der Mensch sein, der den Song geschrieben hat – muss es aber nicht. Oft hat nämlich der/ die SongschreiberIn die Verlagsrechte an ein Verlagshaus verkauft. Die zweiten Rechte, die in diesem Kontext relevant werden, sind die Aufführungsrechte. Sie gehören dem- oder derjenigen, der oder die die Version des Songs gesungen und gespielt hat, die Sie gerade hören. So wird zum Beispiel jemand, der einen Beatles-Song „covert“, zwar nicht die Verlagsrechte daran haben, aber die Aufführungsrechte von ihrer Version dieses Songs. Und als Drittes gibt es da noch die Aufnahmerechte. Sie gehören der Person oder Gruppe, die den Song aufgenommen hat oder haben. Wenn Sie sich also vor Augen halten, dass drei Personen die Rechte an dem Song haben könnten, den Sie in Ihrem Film verwenden möchten, und dass alle drei wahrscheinlich Geld von Ihnen haben wollen – wenn Sie sie überhaupt finden –, dann werden Sie erkennen, dass die Verwendung „vorgefertigter“ Musik ein hartes Brot ist. Ich umgehe dieses Problem, indem ich Musikstücke von jungen Bands sammle, die gerade erst angefangen haben und froh sind, wenn ihre Musik Publicity bekommt. Ihnen gehören meisten noch die Verlags-, Aufführungs- und Aufnahmerechte an ihrer Musik, so dass Ihnen ein einfacher Vertrag mit ihnen die Rechte verschafft, die Sie brauchen, um ihre Originalmusik in Ihrem Film verwenden zu können.

Wenn Sie die Originalmusik von jemandem verwenden wollen, müssen Sie sich von ihm oder ihr vorher eine schriftliche Genehmigung dafür geben lassen. Es gibt einfache Künstlergenehmigungsverträge, die Sie dafür verwenden können. Wenn Sie diesen „Papierkram“ aber vernachlässigen, werden Sie Ihren Film später nirgendwo zeigen können – und es gibt wohl kaum etwas Frustrierenderes, als ein Meisterwerk zu schaffen und danach festzustellen, dass es nicht gezeigt werden darf, weil es die Urheberrechtsgesetze verletzt.

 

A3.6
Praktische und schriftliche Übung

Schneiden Sie den Ton für Ihren Film mit angemessenen Überblendungen, Filtern, Musik und Toneffekten.

Besorgen Sie sich für die Originalmusik, die Sie verwenden, Nutzungsgenehmigungen von den beteiligten KünstlerInnen.